Sonntag, September 30, 2007

374

Entre nous

Die Leuchtzitronen des Joseph Beuys lärmen durch mein Gehirn. Sie glänzen mir die Haare grün, ganz grün. Dann fallen die Leuchtzitronen des Josef Beuys aus meinem Haarbaum auf die Erde. Sie brechen auf, und ihre Energie wird frei. Sie sucht sich einen Weg in die Erde. Die Erde ist noch feucht vom letzten Schlaf. Die Leuchtmittel des Joseph Beuys erschaffen sich neu in einem jetzt orange-braun-farbenen Stammbaum. In der Krone des Baums hängt ein Band, mit Worten darauf. Da steht: Mensch ist nur ein Beginn von Mensch.

Es steht auf allen Mauern, irgendwann.

Mittwoch, September 26, 2007

373

noch soviel jahr übrig

klammheimlich, das vermächtnis. ich mache keinen erbschein, weil sich das nicht lohnt. klippenspringer, von wegen. auf dem zettel an meinen füßen soll stehen: nichts für ungut. und wenn der pope nicht schweigt, sollen es eben die anderen tun. abbrechen, abrechnen, ja, und unter den tischen liegt noch der staub und die quittung vom letzten jahr. ja weihnachten, das hat genadelt, und verwunschen war es auch. soviel sterne. soviel geäug, aber der apparat war wieder kaputt. fettes schwein gehabt, ganz mageres glück daneben, aber man friert leicht in so großen fußstapfen, ausgemergelt, und die steine im kopf, und überall noch das schwere atmen der ahnen. verbinden sie mich mit dem nächsten. nein, nicht irgendeinen, ich will den nächsten, meinen nächsten, ich will den für mich. was davon noch übrig ist. und weg.

372

stilles wasser, fauler bach

ich bin entzweigt, oder wieder auf dem ast
ein einziges entflechten
baum und moos, grün und stumpf, und blei
an der häuserfront die einschlägigen
erfahrungen
wes lied ich sing, des tod ich bring
wesenstest, wespennest
wir kommen uns soweit entgegen
berlin – ein fremdes bein im schrank
geräuchert, grade mal so übers knie
alles schon mal da gewesen
gartenseitig greift mattes licht bis an die grenze
meine pflanze, wenn man sie schneidet, gibt sie milch
und sie hat so viel davon, so schwere blätter
der schatten meiner kuhpflanze treibt mir die gedanken aus
weiß tropft der tag aus meinen ohren aus dem kopf aus der nase
läuft schnelles blut, und der boss liegt schwer verletzt
von drüben zieht eine befremdung ein
mit geräusch

Samstag, September 22, 2007

371

sonntag auf der stirn

kuchen und asche, traum und pferd
eine reise durch das unterbliebene
in den straßen ein weg, auf den wiesen ein einziger aufbruch
mein lieber scholli, war nicht jemand anderer meinung
heute kämmt sich jeder alleine vor dem spiegel
hängt die frauen an den haaren in die tagebuchblätter
stumm wie jetzt, ich bin es nicht gewesen, also satt
oder wie du, eine achse später, also spinnenbein benetzt
aber ohne verinnert zu werden ist es nur noch
ein hahnenfuß bis in die langschatten der zeit
meine augen glühen wie verbremste räder
kunstharz für mein kunstherz
schwertfisch an die wand
der alte mann signiert eifrig
frühstücksbrettchen
und wieder nur eibrot!

370

melancholie, unverhofft

wird man älter, wandert die schönheit nach innen.
sie hat ein rendezvous.
nur manchmal kommt sie dann noch in die alten viertel,
um ein tänzchen zu wagen, um die augen herum.
nur mal eben so, um nachzusehen. wie das leuchtet!

Donnerstag, September 06, 2007

369

vorsicht, dachgeschoss

in friedrichs hain (san fernando)
mädchenspange auf der straße
und ein staubiger ring in meiner hand und wie verbrannt
irren wilde ideen durch meinen kopf
wie rotes eisen durch butter geht das
aber ich gehe nicht von hier
ohne gerätschaft
(wo kämen wir sonst hin)
(dann läuft es schlecht mit uns)
(die füße und ein wenig druckschmerz, soll schon sein)
mag nicht denken, mag nichts tun
angereiht liegen meine flüchtigen kopfgeburten
wie wilde tote tiere auf bleichpapier
geradewegs verfragt, ohne erbarmen, erstreckt!
eine erscheinung
helles bier, dunkler tag, die nacht
kann auch anders
verrat keimt in der küchenzeile
unmut, abglut und das rote im gesicht
ist keine freude
(unwidersprochen)
hatten wir heute schon brahms?

368

NFK (nur für klarinettisten)


noch lachten sie hinter den bergen.

aber von unten im tal herauf zog schon das dunkle licht seine schärpe durch die wälder.

und hu! sagte die eule im baum.

und hu! sagte der hund des försters.

und hu! sagte der bäcker als er den finger an der backofentür vergaß.


...............



geld regiert die welt regiert die welt vergiert die welt regiert die welt regiert die

wer wie was

ich weiß nicht wieso

ich weiß nicht wo

auf meinem damenpo

blüht eine schöne blume

Sonntag, September 02, 2007

367

fällt der tag, flieht der weg

auf stunden immer nur nach der zeit, und gezählt haben wir nichts, aber gefunden, aber erfunden, uns nichts, aber vielleicht so für ein jemand, aber unterwegs war ich, ja unterwegs, ganz weit unter dem wegs, und keiner hat gefragt, und keiner hatte hände übrig, nur gewusst hat jeder viel, und gezeigt hat jeder viel, auch angezeigt, ja, auch angezeigt, aber der richter hatte keinen schlechten tag oder einen guten, und ich bin wieder unterwegs, die lässt einen nicht los, die eigene wesenheit, die hat krallen wie eine leopardin, und die hackt sie dir für immer unter die augen, da wo schon die ringe sind dafür.

366

schweres oberlicht

und ich stelle keine fragen mehr in die wand
solange die große taubheit vor der schwelle und keiner
den grund nur immer auf die schuhe sehen will
wenn wieder einer vorbeigeht einer von denen
und auf denen ihren sohlen ist das victory eingebrannt
wie die leuchtreklame wie das brennende buch das glück
klebt ihnen wie napalm wie eine andere welt
wie den kopf verschichtet und das licht verschüttet
und das herz vergraben keine fragen

Samstag, September 01, 2007

365

irgendwie
ein jahr
vorbei
und irgendwie
auch
wieder
nicht

(na
jedenfalls
prost, alte hütte)

364

dis and harmony


art is monster
tree is relentless
knee is in my face
art is furniture
future is unwritten
past is forgiven
now is net
net is gateway
present your feet
present your arms
go down under
mantle the manticore

discuss the feeling of a brave disappointment

we are
we are not
(in the trees there is water hanging)
scrub your face
eat your thought of what could be
remember the wise dot
art is pain
art is furniture
art is relentless
art is our path

(move to faster buildings)


Betragen & Betrügen 2009

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