Dienstag, Februar 20, 2018

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Selige Säumnis

Eins ist nicht gleich vier, komisch ist nicht Komantschisch. Jeder Indianer weiß das, unter Garantie, und schüttelt dabei verschwörerisch den schütteren Skalp. Lustig wird es erst ab dem dritten Marterpfahl, der aber eigentlich gar keiner ist. Die machen sich doch nicht ihre Holzschnitzereien kaputt, wegen so ein paar Touristen, die Komantschischen, die sind doch nicht blöd. Blöd sind nur die Amerikanischen, die das glauben, und noch mehr. Die Fischer lassen unterdessen das Fischen sein und hängen sich matt in ihre Netze. Alles nass, das ganze Meer. Keine Ruhe, nirgends. Und dann noch das jährliche Seebären- und Pottwalballett, da kann man irgendwann nicht mehr. Also ziehen alle ihre Fingerpfeifen aus dem Garn und rauchen ihre verbotenen Kräuter und eine kräftige Brise Seegras. Die Seekühe blubbern, und der örtliche Bio-Schoschone bricht sich beim Holzhacken das Bein. Ist aber nicht schlamm oder schlimm, er steht eben so lange auf dem anderen, und schüttelt den Skalp. Die Ruderer sind auch schon im Dock, ihre Ruder alle auf einem großen Haufen, soll sie doch sortieren wer will. Häuptling Mannometer prüft derweil sein Alpenglühen. Es wird Regen geben, und Segen auch. Zeit, die wasserdichten Sandalen festzuziehen. Die Seerosen sind heuer ungeheuer, wie Stachelrochen. Kein Pardon. 

Montag, Februar 19, 2018

796




Fettucine mit Glasfrosch

Mozarts Zauberflöte war eigentlich ein ganz banaler Besenstiel, aber der Meister klemmte ihn sich so gekonnt in die salzburgerischen Mundwinkel, dass es passte. Eine Brezel weiter rollte schon der Wagner vorbei und brunhildetete in die Ecke. Wolferl dachte an Straußeneier, Richard an die Sauerkrauts, die daheim verbliebenen. Sein Barett war nicht von schlechten Eltern. Aber der Leberkäs hinter dem Flügel lebte auch nicht schlecht, er roch nur ein wenig. In der Deutschen Datschenoper war das aber kein Grund, eher eine Untiefe. Zurück zur Brunft. Wenn der Hirsch ruft, kennt der Jäger keine Gnade und greift sich in den harschen Schritt, nur zur Kontrolle. Im Wald ist schließlich alles nur eine Frage des Interlekts und der Kragenweite, Horn hinten, Horn oben, Horn unten. Von vorn erklingen immer Glöckchen, von hinten dröhnt der Gong. Schlussakkord: Wagner reitet auf einer wilden Waldsau in einen vulkanösen Sonnenuntergang. Mozart immer hinterher, mit Pallatschinken schmeissend. Wie früher, in der Verbindung. Aber das Telefon hat längst ausgedient, der Genießer denkt und schweigt. Oder lässt es krachen.

Sonntag, Februar 18, 2018

795





Was sich nibbt das nebbt sich

Kommt ein Vogel durchs Gebälk und schreit. Typischer Fall von Avatarismus. Perfekt wäre noch eine Pickelhaube und ein Sausehirn oder auch Saumagen. Die Schnurrbartapotheose. Aber Kaisers gibts nicht mehr, heisst jetzt anders. Die Windsbräute ziehen durch die Hecken, bis die Zaunkönige sich einen Ast lachen, alles nur wegen der Haltungsnote. Sieben Komma fünf, das wäre besser gegangen. Aber lieber so, als gar nicht. Unterwegs und unterdessen brennt in Hessen das dunkle Licht vom Vergessen, aber das gibt es auch anderswo. Wir brauchen eine bessere Premiere, nichts gebrauchtes. Ein Zehn-Leitern-Traum, zum Beispiel. Oder eine Zwei-Meter-Zahnlücke. Eine Baulücke würde es schon auch tun. Hauptsache Hauptstadt. Am Senefelder Platz glühen wieder die Eichhörnchen. Hat man ihnen beigebracht. Strom sparen, sagt man. Und schön warm ist es unter den Bäumen auch immer. Leider halten die Mistviecher nicht so lange. Nächstes Jahr nehmen wir Katzen, und wenn das nicht hilft, Neufundländer. Allein schon wegen dem Namen. 

Samstag, Februar 17, 2018

794




Sir Hugo und der Krieg der Motten

Wer alles richtig macht kann kein Engländer sein. Oder Norweger. Oder Edelmann. Die Schiffe, die das beweisen könnten, fahren weiter in Richtung Erdrand, wo sie herunterfallen und das Spiel von neuem beginnt. Nur Wunderknaben kennen das Geheimnis, aber sie schweigen sich lieber die Zunge rund und schwimmen im Geld. Wer kann, duftet nach Schildkrötenschweiß. Das griechische Epsilon wird gerne auf der Haut nach Hause getragen. Dort lässt man es frei und das Haus bewachen, oder den Horst. Die aushausigen Mausbiber lieben derweil ihre Höhle und jagen das Epsilon zurück in die Stadt, wo der Lehrer schon mit der Schultüte wartet. Die Kamine rauchen, die Schornsteine fluchen, und die Kinder warten auf den silbernen Bach, der ihnen hinterherrauscht. Was hat man ihnen nicht alles versprochen. Außer Lakritz und Lekratz ist aber nicht viel gewesen. Wir stammeln eine Entschuldigung und wissen es gleich wieder besser. Alles hat seine Richtigkeit, wenn man seine Richtung kennt. Draußen warten die Vorfahren auf ihren Omnibus, aber der hat sich eine Hauszeit genommen. Der Diesel riecht. Die Düse säuselt leise Kinderlieder. Ein Troglodyt, wer Böses dabei denkt.

Freitag, Februar 16, 2018

793





Kontrazäpfchen gegen alles

Nebenan, auf der Anhöhe des blanken Wissens, rutschen wieder alle ins Tal, die nicht angeleimt waren. Auf ihrer Schleimspur liegen jede Menge Taschen und Bücher und Batterien des Nichts. Das Wissen leuchtet leise, das Tal ist puppenvoll. Die Halbwissenden warten auf ein Wunder. Aber Vaters Morgana ist heute schon verplant, und die Kühe auf den Weiden zählen nur noch die Kätzchen in ihrem Hufeland. Wenigstens der Kaufmannsladen hat noch geöffnet. Eine Schlange steht vor der Tür und sucht ihre Schuhe. Niemand gibt ihr Bescheid, alle machen sich unauffällig aus dem Staub. Die Wüste lebt. Die Wilde klebt. Man hat sich schon an so vieles gewöhnt, also warum nicht auch Scheuklappen. Endlich können die Nackten aus dem Wasser, sie schütteln ihr Haar und wässern den Staub, die Schlange schlängelt sich noch ein wenig und fährt endlich aus ihrer Haut, zurück in die Mohnfelder. Kugelrund wächst der Mond über die Dächer, an denen ab und an ein Tropfen Blut zerschellt. Der Mann mit dem Käfergesicht kaut andächtig auf einem Bild und wird bescheiden abgeführt. Die neue Saumseligkeit bricht herein, im Schlepptau eine mausgraue Gründlichkeit. Gold glänzt, die Wunden sind noch frisch, alle warten auf den Augenaufschlag des Weisen. Der aber weiß von nichts. So kann es bleiben, die harten Sterne funkeln wild im Meer. Am Strand liegt ein Schlepptau und denkt noch immer an den jungen Morgen, der immer noch angezählt im Ring liegt. Zwodreivier. Siebeneinhalb. Und los.  

Donnerstag, Februar 15, 2018

792




Der Kommandant kommt angerannt

In meinem Kopf ist immer Platz für ein paar Schrägen, oder Randpfosten. Hier kommen Hunde vorbei, und Katzen, und alle wollen in die Tretmühle, zu den anderen Kaninchen. Sport hält jung, glauben die Alten und drehen den Fernseher ins Licht, damit man weiter sehen kann. Bis ins letzte Dorf zielen ihre Stein- und Stielaugen. Währenddessen in der Brot-Unterkunft: die Stinker stinken und die Blinker blinken. Die Fische warten. Später bei Lohengrin, beim Schwan ist immer noch Platz. Wundere mich über das Gewese. Später wundere ich mich nicht mehr. Kein Wunder. Die Phase ist geplatzt, und die Volt ploddern ungehemmt über den Kneipenboden. Kein Widerstand, nirgends. Jeder anständige Indianer hätte das Kriegsbeil ausgerufen. Alles nur Schmutzfüße, überall. Wir sind noch nicht soweit. Wir haben noch keine Erfahrung. Die Postkutschen gleiten noch auf Schienen über den Sand. Später auf dem Mars wird man lachen über solche Hässlichkeiten. Vorausgesetzt man kommt zum Lachen. Soll ja ganz schön heiss sein, da oben. Oder da unten. Oder kalt, wie man es nimmt. Der Mann der Nachbarin nimmt es mehr gelassen. Er wäscht sich die Füße freiwillig.

Mittwoch, Februar 14, 2018

791




Wie Walburga eine Wahl hatte, aber keinen Fisch

Vor alle dem stehen zwei Bäume, mitten im Stau, ohne Wurzeln, aber mit viel Gepäck, Staubaum, sozusagen. Der neue Trend auf der Aggro-Aggra-Messe: die Bauern schlagen Purzelbäume und Wurzeln, aus lauter Tradition und Begeisterung. nebenbei pflügen Sie durch die Hügelgräber ihrer Vorfahren, dass es eine Pracht und Wonne ist. Die wollen doch nur spielen! Allerdings ist das Spiel längst aus, das Licht ist weitergezogen, die Nasen tropfen. Am Hahn ist zappenduster. Die Internationale Bananalität feiert schonmal ihren Einstand. Niemand bewegt sich, das wäre ja noch schöner. Sanft wippen die Kleidchen der Funkenmariechen an den Schwänzen der Feuerkatzen, und in Tibet fällt endlich der Klöppel - das Zeitalter der Klüngelei hat begonnen.  Die Dampfkühe geben jetzt richtig Gas. Das Wetter leuchtet über all. Die Luft steigt und steigt, bald ist sie nicht mehr zu sehen. Nur der betrunkene Kaspar zeigt mit dem Finger noch lange in die Höhe und murmelt etwas von Luftschlangen. Später schlingen sich die Senkel wieder um die Schuhe, die Sandalen reiben den Sand. Das Luftschloss sucht seinen Schlüssel. Jemand bläst eine Querflöte durch die Tür. Abledern hilft.

Betragen & Betrügen 2009

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